Tag 33: Wellen, Wind und ein kleiner Pinguin

Eigentlich war der Plan klar: Mit dem Kajak von Torrent Bay zurück nach Mārahau bzw. in Richtung Kaiteriteri – unserem Ausgangspunkt für die Tage im Abel Tasman Nationalpark. Der letzte Abschnitt unserer Tour sollte noch einmal paddelnd stattfinden.

Wir starten motiviert in den Tag. Die Sonne scheint vom blauen Himmel, die Stimmung ist bestens – bei uns genauso wie bei unseren Guides, doch schon beim Blick hinaus aufs offene Wasser wird klar: Der Wind hat deutlich zugelegt. Draußen vor der Bucht peitscht er die Wellen vor sich her.

Kaum verlassen wir den geschützten Bereich von Torrent Bay, beginnt das Meer uns ordentlich durchzuschütteln. Meterhohe Wellen lassen unsere Kajaks wie kleine Spielzeugschiffchen tanzen. Ganz so schlimm ist es vielleicht noch nicht – es macht sogar noch Spaß – aber wir bewegen uns klar am oberen Ende dessen, was sich vernünftig und risikofrei anfühlt.

Unser ursprüngliches Ziel Mārahau rückt damit in weite Ferne. Laut Vorhersage soll der Wind in den nächsten Stunden sogar noch stärker werden. Also paddeln wir in eine nahegelegene Bucht, ziehen die Kajaks an Land und besprechen gemeinsam mit den Guides die Lage.

Die Entscheidung fällt einstimmig und ohne großes Zögern: Wir brechen die Kajaketappe ab. Stattdessen kehren wir zurück nach Torrent Bay und setzen den Weg in einer Kombination aus Bootstransfer und Wandern fort. Keine Heldentat, aber eine vernünftige Entscheidung.

Beim Zurückpaddeln wartet dann doch noch ein kleines Geschenk des Tages auf uns: Unweit von uns in unseren Kajaks schwimmt tatsächlich ein Blue Penguin (Zwergpinguin) zwischen den Wellen! Kurz darauf entdecken wir in Strandnähe auch noch zwei Rochen im flachen Wasser.

Auch wenn wir die geplante Strecke nicht wie vorgesehen paddeln können – dieser Moment macht alles wett. Einen kleinen Pinguin in freier Wildbahn zu sehen, mitten im offenen Wasser, ist ein echtes Trostpflaster und bleibt uns lange in Erinnerung.

Manchmal ist es eben nicht der ursprüngliche Plan, der einen Tag besonders macht – sondern das, was unerwartet passiert.

Nach dem Abbruch der Kajaketappe setzen wir unseren Weg zunächst zu Fuß fort. Ein letztes Stück wandern wir entlang der Küste, bevor wir endgültig Abschied nehmen vom Abel Tasman Nationalpark.

Wir fahren weiter nach Nelson, wo bereits unsere Fahrräder auf uns warten – am Flughafen beim Office des Gepäcktransporters, der unsere Bikes sicher hierher gebracht hat. Alles klappt reibungslos.

Von Nelson aus wechseln wir das Setting komplett. Unser nächstes Ziel sind die Marlborough Sounds – genauer gesagt Portag. Die Fahrt dorthin ist ein kleines Abenteuer für sich: eine schmale, kurvige Straße, die sich durch bewaldete Hügel schlängelt, immer wieder mit Blick aufs Wasser. Dazwischen unzählige Schilder, die warnen, dass es eng wird und auffordern, langsam zu fahren. Tatsächlich sind Teile der Straße sichtbar abgerutscht, der Hang hat sich an manchen Stellen einfach talwärts bewegt. Schlaglöcher in allen Größen und Formen. Konzentration ist gefragt.

Am Abend erreichen wir schließlich unser Ziel. Von der Terrasse aus blicken wir auf das stille Wasser der Sounds, über dem sich langsam ein sanftes Abendrot ausbreitet. Ein langer Tag geht zu Ende, und noch bevor die Dunkelheit vollständig einsetzt, fallen wir müde, zufrieden und mit vielen Eindrücken ins Bett.

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